Das Physikum ist die erste große Hürde im Medizinstudium und verlangt gleich mehrere Fächer auf einmal. Mit einem realistischen Zeitplan und klaren Lernstrategien lässt sich der Stoff gut bewältigen. Hier findest du einen Überblick über Aufbau der Prüfung, sinnvolle Vorlaufzeiten und bewährte Werkzeuge.
Was das Physikum eigentlich ist
Das Physikum ist die umgangssprachliche Bezeichnung für den Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung (M1). Er wird nach der Vorklinik abgelegt und setzt einen zweijährigen Studienabschnitt, den Nachweis der vorgeschriebenen Kurse, eine Erste-Hilfe-Ausbildung und einen dreimonatigen Krankenpflegedienst voraus. An Universitäten mit Modell- oder Reformstudiengängen wird das Physikum teils durch andere Prüfungsformate ersetzt.
Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlich-praktischen Teil. Der schriftliche Teil wird vom IMPP gestellt: 320 Multiple-Choice-Fragen, verteilt auf zwei aufeinanderfolgende Tage. Rechnerisch bleiben dir im Schnitt nur rund 90 Sekunden pro Frage. Die Themen reichen von Physik und Physiologie über Chemie und Biochemie bis zu Biologie, Anatomie und Medizinischer Psychologie/Soziologie. Im mündlich-praktischen Teil stehen Anatomie, Biochemie/Molekularbiologie und Physiologie im Mittelpunkt.
Wie viel Vorlaufzeit realistisch ist
Die meisten Studierenden planen mehrere Monate intensive Vorbereitung ein, wobei die letzten Wochen meist dem gezielten Wiederholen und dem Bearbeiten von IMPP-Altfragen vorbehalten sind. Ein früher Start verhindert, dass am Ende drei Fächer gleichzeitig gepaukt werden müssen.
Ein Beispiel für einen Zeitplan
Jede Lernphase ist anders, aber eine grobe Dreiteilung hat sich für viele bewährt:
- Phase 1 – Inhalte erarbeiten: Themen anhand des Gegenstandskatalogs durchgehen, Lücken sichtbar machen, erste Karteikarten anlegen.
- Phase 2 – Fragen kreuzen: Altfragen themenweise bearbeiten und Fehler auswerten, statt nur Richtigrate zu zählen.
- Phase 3 – Wiederholen und simulieren: In den letzten Wochen ganze Prüfungsblöcke unter realistischen Zeitbedingungen üben und schwache Themen gezielt nachschärfen.
Passe die Gewichtung an dein Tempo und deine Fächer an – wichtig ist, dass jede Phase einen klaren Fokus hat.
Die drei Fächer sinnvoll verteilen
Anatomie, Physiologie und Biochemie bauen inhaltlich stark aufeinander auf. Es lohnt sich, einen festen Wochenrhythmus zu etablieren, in dem alle drei Fächer regelmäßig vorkommen, statt sie nacheinander abzuarbeiten – so bleibt der Bezug zwischen den Fächern präsent. Die übrigen Fächer (Physik, Chemie, Biologie, Medizinische Psychologie und Soziologie) gehören ebenfalls in den Plan, weil sie im schriftlichen Teil abgefragt werden.
Werkzeuge, die den Unterschied machen
Spaced-Repetition-Systeme helfen, einmal gelerntes Wissen langfristig zu festigen, während das Üben mit Altfragen ein realistisches Gefühl für Prüfungsniveau und Zeitmanagement vermittelt.
Offizielle Informationsquellen
Der Prüfungsstoff für den schriftlichen Teil des Physikums wird vom IMPP über sogenannte Gegenstandskataloge veröffentlicht, die als PDF frei zugänglich sind. Der Gegenstandskatalog GK1 gliedert sich in mehrere Teilkataloge zu den vorklinischen Fächern. Sie ersetzen zwar keinen Lernplan, geben aber eine verlässliche Orientierung, welche Themenbereiche grundsätzlich prüfungsrelevant sind.
Weitere Vorbereitungsressourcen
Neben den offiziellen Gegenstandskatalogen des IMPP stellt der Thieme-Verlag über sein Portal via medici kostenlos originale IMPP-Prüfungsfragen vergangener Physika und Hammerexamina ab dem Jahr 2000 zum Download bereit. Das Bearbeiten dieser Originalfragen unter realistischen Zeitbedingungen gilt unter Studierenden als eine der wirksamsten Vorbereitungsmethoden.
Der mündlich-praktische Teil
Für die mündliche Prüfung reicht Wissen aus Karteikarten allein selten. Trainiere das freie Sprechen: Erkläre Zusammenhänge laut, am besten in einer Lerngruppe, in der ihr euch gegenseitig prüft. In der Anatomie hilft es zusätzlich, Strukturen am Präparat oder Modell zu zeigen und zu benennen – eine Übung, die sich gut mit einem Skelett- oder Anatomiemodell verbinden lässt.
Typische Fehler in der Vorbereitung
- Zu spät starten: Wer erst spät beginnt, muss mehrere Fächer parallel im Schnellgang lernen.
- Nur lesen statt abrufen: Passives Wiederlesen fühlt sich effektiv an, festigt aber schlechter als aktives Abfragen und Kreuzen.
- Altfragen nur zählen: Der Lerneffekt liegt in der Fehleranalyse, nicht in der Prozentzahl.
- Schlaf und Pausen streichen: Erholung gehört zum Lernplan, nicht ans Ende der Liste.
Fazit
Wer nebenbei praktische Fertigkeiten wie Nähen trainieren will, muss dafür keine Extra-Lernzeit einplanen – kurze, regelmäßige Einheiten reichen. Mehr dazu in unserem Leitfaden Nähen lernen als Medizinstudent. Wenn dich die Prüfungssituation nervös macht, helfen dir die Tipps in unserem Artikel Prüfungsangst vorm Testat.
Häufige Fragen
Wie viele Fragen hat die schriftliche Physikumsprüfung?
320 Multiple-Choice-Fragen, die an zwei aufeinanderfolgenden Tagen bearbeitet werden. Die Fragen stellt das IMPP.
Wann sollte ich mit der Vorbereitung beginnen?
Die meisten Studierenden planen mehrere Monate ein. Ein früher Start verteilt den Stoff und verhindert, dass am Ende mehrere Fächer gleichzeitig nachgeholt werden müssen.
Wo finde ich den offiziellen Prüfungsstoff?
Im Gegenstandskatalog GK1 des IMPP, der als PDF frei verfügbar ist. Er gliedert sich in Teilkataloge zu den vorklinischen Fächern.
Gilt das für alle Universitäten?
Nicht vollständig. An Modell- und Reformstudiengängen werden Prüfungsformate teils angepasst. Rechtliche Grundlage ist die Approbationsordnung, konkrete Fragen beantwortet dein Landesprüfungsamt bzw. Prüfungsamt.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine Auskunft des Prüfungsamts oder des IMPP. Prüfungsformate und Regelungen können sich ändern; verbindlich sind die aktuellen Vorgaben der Approbationsordnung und deiner Hochschule. Trotz sorgfältiger Recherche kann keine Gewähr für Vollständigkeit oder Aktualität übernommen werden.
Anatomedic Redaktion – Praxisnah aufbereitete Lerninhalte für Medizinstudierende.
Quellen und weiterführende Literatur
- IMPP: Prüfungen Medizin, Gegenstandskataloge. impp.de
- Thieme via medici: IMPP-Originalfragen. m.thieme.de/viamedici
- DocCheck Flexikon: Physikum. flexikon.doccheck.com/de/Physikum