Beim Neugeborenen ist der Schädel noch nicht vollständig verknöchert – zwischen den einzelnen Schädelknochen liegen weiche, bindegewebige Bereiche, die sowohl für die Geburt als auch für die weitere Entwicklung entscheidend sind.
Warum der Schädel beim Neugeborenen noch offen ist
Die Schädelnähte sind beim Neugeborenen noch nicht fest verknöchert, sondern bestehen aus bindegewebigem Material. Das ermöglicht zum einen eine leichte Überlappung der Schädelknochen beim Durchtritt durch den Geburtskanal, zum anderen erlaubt es das rasche Wachstum des Gehirns in den ersten Lebensjahren.
Die Fontanellen im Überblick
- Fonticulus anterior (große Fontanelle): rautenförmig, am Treffpunkt von Stirnbein und beiden Scheitelbeinen, schließt sich meist erst im Alter von etwa 12–18 Monaten
- Fonticulus posterior (kleine Fontanelle): dreieckig, am Treffpunkt von Scheitelbeinen und Hinterhauptbein, schließt sich bereits nach wenigen Monaten
Warum die Fontanellen klinisch wichtig sind
Die große Fontanelle wird in der Pädiatrie regelmäßig untersucht: Eine eingesunkene Fontanelle kann auf Flüssigkeitsmangel hindeuten, eine vorgewölbte Fontanelle auf erhöhten Hirndruck. Auch der Zeitpunkt des Fontanellenschlusses wird als Entwicklungsparameter beobachtet.
Wie sich Fontanellen zu Schädelnähten entwickeln
Mit fortschreitender Verknöcherung wandeln sich die Fontanellen in normale Schädelnähte um – die große Fontanelle etwa wird Teil der Sutura sagittalis und Sutura coronalis. Beim Erwachsenen sind Fontanellen nicht mehr vorhanden, die Nähte selbst verknöchern erst deutlich später im Leben zunehmend.
Fazit
Offene Schädelnähte und Fontanellen sind keine Fehlbildung, sondern eine notwendige Anpassung an Geburt und Gehirnwachstum. Einen Überblick über die Schädelnähte des Erwachsenen findest du im Artikel Schädel-Anatomie: Knochen und Nähte.
Häufige Fragen
Wann schließt sich die große Fontanelle?
Meist im Alter von etwa 12 bis 18 Monaten, mit individueller Schwankung.
Was bedeutet eine eingesunkene Fontanelle?
Sie kann ein Hinweis auf Flüssigkeitsmangel beim Säugling sein und wird klinisch ernst genommen.
Wie viele Fontanellen hat ein Neugeborenes?
Insgesamt sechs, wobei die große und kleine Fontanelle die klinisch bedeutsamsten sind.