Fadenstärken (USP) einfach erklärt

Das USP-System für Fadenstärken wirkt verwirrend, folgt aber einer einfachen Grundregel. So liest du 4-0, 5-0 und Co. richtig.
Anatomedic Redaktion 8 Min. Lesezeit

Fadenstärken wirken auf den ersten Blick verwirrend, weil das gebräuchliche USP-System auf einer Null-Skala basiert, die sich nicht intuitiv erschließt. Dieser Artikel erklärt beide gebräuchlichen Maßsysteme, zeigt die vollständige Umrechnungstabelle und ordnet ein, welche Stärke für welches Gewebe üblich ist.

Was bedeutet "Fadenstärke" überhaupt?

Mit Fadenstärke wird der Durchmesser (die Dicke) des Nahtmaterials bezeichnet. Grundprinzip: Das Nahtmaterial muss ausreichend reißfest sein, sollte aber so dünn wie möglich gewählt werden, um die Gewebeschädigung gering zu halten. Die auf der Verpackung aufgedruckte Fadenstärke ist dabei immer die Mindestdicke innerhalb eines definierten Bereichs.

Die zwei gebräuchlichen Maßsysteme

Zur Angabe der Fadenstärke sind zwei Systeme gebräuchlich:

  • USP (United States Pharmacopeia): Das in der Praxis überwiegend verwendete System. Dünnere Fäden werden mit steigender Zahl der Nullen gekennzeichnet (2-0, 3-0, 4-0 ...), dickere Fäden fortlaufend ganzzahlig (1, 2, 3 ...). Der Ausgangswert für Stärke "0" unterscheidet sich je nach Grundmaterial: bei synthetischem Material 0,350–0,399 mm, bei natürlichem Material 0,400–0,499 mm.
  • EP/metrisch (Europäische Pharmakopöe): Gibt den Fadendurchmesser direkt in Zehntelmillimetern an – metrisch 1 entspricht etwa 0,1 mm. Obwohl dieses System rationaler ist, wird in der Praxis überwiegend USP verwendet.

Die vollständige USP-/Metric-Umrechnungstabelle

USP Metrisch Durchmesser (mm)
11-0 0,1 0,010–0,019
10-0 0,2 0,020–0,029
9-0 0,3 0,030–0,039
8-0 0,4 0,040–0,049
7-0 0,5 0,050–0,059
6-0 0,7 0,070–0,079
5-0 1 0,100–0,149
4-0 1,5 0,150–0,199
3-0 2 0,200–0,249
2-0 2,5 0,250–0,299
1-0 3 0,300–0,349
0 3,5 0,350–0,399
1 4 0,400–0,499
2 5 0,500–0,599
3 / 4 6 0,600–0,699
5 7 0,700–0,799
6 8 0,800–0,899
7 9 0,900–0,999
8 10 1,000–1,099

Quelle: Siewert, J.R. et al., zitiert nach Wikipedia: Fadenstärke

Welche Stärke für welches Gewebe üblich ist

  • 2-0 bis 3-0: stabilere Strukturen wie Faszien oder Sehnen
  • 3-0 bis 4-0: häufigster Bereich für Hautnähte am Körper
  • 7 (grob, ohne Nullen): so dick, dass es sich etwa für Gelenkstabilisierung eignet
  • 8-0 bis 10-0: Mikrochirurgie, z. B. Nervennähte

Diese Angaben sind übliche Bereiche, keine starren Vorgaben – die konkrete Wahl hängt immer von Gewebeart, Wundspannung und OP-Kontext ab.

Monofil oder polyfil – kurz erklärt

Neben der Stärke unterscheidet sich Nahtmaterial in seinem Aufbau: Monofile Fäden bestehen aus einer einzelnen Faser und sind aufgrund glatter Oberfläche weniger traumatisierend, polyfile (geflochtene) Fäden aus mehreren Einzelfasern und haben durch höhere Kapillarkräfte ein etwas höheres Risiko, Flüssigkeit und Mikroorganismen in die Wunde zu leiten. Geflochtenes Material verträgt dafür höhere Zugkräfte.

Resorbierbar oder nicht resorbierbar

Resorbierbares Nahtmaterial löst sich nach einer gewissen Zeit im Körper auf, die Dicke beeinflusst dabei maßgeblich die Dauer dieses Prozesses. Nicht resorbierbares Material, etwa als Hautfaden, wird nach Abschluss der Wundheilung entfernt – für das Üben zuhause spielt diese Unterscheidung keine Rolle, für das Verständnis klinischer Zusammenhänge aber schon.

Fazit

Grundregel: Je mehr Nullen im USP-System, desto dünner der Faden. Für den Einstieg ins Üben eignet sich ein etwas dickerer, gut sichtbarer Faden wie 2-0 oder 3-0; für realitätsnahes Training an der Haut orientiert man sich am gängigen klinischen Bereich von 3-0 bis 4-0. Mehr zu den Nahttechniken selbst in der Nahttechniken-Übersicht, zum Üben eignet sich Nahtmaterial der Stärke 4-0.

Häufige Fragen

Welche Fadenstärke für die Haut?
Meist 3-0 bis 4-0, abhängig von Körperregion und gewünschtem kosmetischem Ergebnis.

Was bedeutet 4-0 genau?
Metrisch 1,5, also ein Durchmesser von 0,150–0,199 mm – siehe Umrechnungstabelle oben.

Gibt es einen Unterschied zwischen USP und metrisch?
Ja: Metrisch gibt den Durchmesser direkt in Zehntelmillimetern an, USP ist eine relative X/0-Skala. In der Praxis dominiert USP.

Sind alle Hersteller bei einer USP-Angabe exakt gleich dick?
Die Bereichsgrenzen sind pharmakopöisch definiert, die genaue Ist-Dicke kann innerhalb dieses Bereichs leicht variieren.


Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Ausbildungszwecken und ersetzt keine praktische Anleitung durch qualifiziertes Fachpersonal. Trotz sorgfältiger Recherche kann keine Gewähr für Vollständigkeit oder Aktualität übernommen werden.

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