Die fortlaufende Intrakutannaht – vollständig als Intrakutannaht nach Halsted und Chassaignac bezeichnet – gilt als eine der anspruchsvollsten, aber auch kosmetisch überzeugendsten Nahttechniken. Der Faden verläuft komplett unter der Hautoberfläche und hinterlässt keine Einstichstellen quer zur Wunde.
Was ist eine Intrakutannaht?
Anders als bei Einzelknopf-, Donati- oder Allgöwer-Naht wird bei der Intrakutannaht nicht durch die gesamte Haut, sondern ausschließlich innerhalb der Dermis genäht – fortlaufend, ohne Unterbrechung. Die Oberhaut wird dabei nicht penetriert, was das kosmetische Ergebnis bei unkomplizierten Wunden deutlich verbessert.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Nahtbeginn: Die Nadel orthogonal zum Wundrand in der Tiefe der Wunde einstechen und der Nadelkrümmung folgend durchführen; der Ausstich erfolgt in der Dermis derselben Wundseite.
- Fortlaufende Stichführung: Abwechselnd auf beiden Wundseiten horizontal durch die Dermis stechen, ohne die Hautoberfläche zu durchstoßen.
- Gleichmäßiger Zug: Nach jedem Stich den Faden gleichmäßig anziehen, damit die Wundränder sauber aneinanderliegen.
- Nahtende: Der Knoten kommt durch die Stichführung in der Tiefe der Wunde (Subkutis) zu liegen – je nach Material versenkt oder als Ausziehnaht mit außen fixierten Fadenenden.
Warum sie schwerer zu lernen ist
Die größte Herausforderung liegt in der gleichmäßigen Stichtiefe über die gesamte Wundlänge – zu oberflächliche Stiche reißen leichter aus, zu tiefe können die Naht sichtbar werden lassen. Deshalb lohnt sich diese Technik erst zu üben, wenn Einzelknopfnaht und Donati-Naht bereits sicher sitzen – einen Überblick zur Übungsreihenfolge findest du in der Nahttechniken-Übersicht.
Welches Nahtmaterial wird verwendet
Die Intrakutannaht kann sowohl mit resorbierbarem als auch mit nicht resorbierbarem, meist monofilem Nahtmaterial durchgeführt werden. Welche Fadenstärke für welches Gewebe infrage kommt, erklärt der Artikel Fadenstärken (USP) einfach erklärt.
Vor- und Nachteile im Vergleich
Die Intrakutannaht ermöglicht ein sehr schnelles Vernähen und ein exzellentes kosmetisches Ergebnis bei unkomplizierten Wunden. Im Vergleich zu Donati- und Allgöwer-Naht erzielt sie jedoch einen weniger festen Wundverschluss bei klaffenden oder komplizierten Wunden – für stark unter Spannung stehende Wunden ist sie deshalb nicht die erste Wahl.
Fazit
Die fortlaufende Intrakutannaht ist die Königsdisziplin unter den Grundtechniken: anspruchsvoll, mit dem besten kosmetischen Ergebnis bei unkomplizierten Wunden, aber nicht die festeste Verschlussvariante. Üben lässt sie sich am besten mit einem chirurgischen Nahtset, nachdem die einfacheren Techniken sitzen.
Häufige Fragen
Ab wann sollte ich die Intrakutannaht üben?
Erst, wenn Einzelknopf- und Donati-Naht sicher sitzen – die Technik baut auf einem stabilen Grundgefühl für Stichtiefe auf.
Ist die Intrakutannaht immer die beste Wahl für schöne Narben?
Bei unkomplizierten Wunden meist ja, bei klaffenden oder stark beanspruchten Wunden ist sie aber weniger fest als Donati- oder Allgöwer-Naht.
Ist die Technik in der OSCE-Prüfung relevant?
Ja, sie zählt zu den anspruchsvolleren Stationen – mehr dazu im Artikel OSCE-Prüfung Chirurgie.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Ausbildungszwecken und ersetzt keine praktische Anleitung durch qualifiziertes Fachpersonal. Trotz sorgfältiger Recherche kann keine Gewähr für Vollständigkeit oder Aktualität übernommen werden. Die Anwendung am Patienten darf ausschließlich unter fachlicher Anleitung und Aufsicht erfolgen.
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Quellen und weiterführende Literatur
- DocCheck Flexikon: Intrakutannaht nach Halsted und Chassaignac. flexikon.doccheck.com
- DocCheck Flexikon: Nahttechnik. flexikon.doccheck.com/de/Nahttechnik