Es gibt nicht die eine chirurgische Naht – je nach Wunde, Gewebeart und gewünschtem kosmetischem Ergebnis kommen unterschiedliche Techniken zum Einsatz. Dieser Überblick zeigt, welche Nahttechniken es gibt, wie sie zusammenhängen und in welcher Reihenfolge sich das Üben lohnt.
Die Grundtechnik: Einzelknopfnaht
Die Einzelknopfnaht ist der klassische Einstiegspunkt – jeder Stich wird einzeln gesetzt und einzeln verknotet. Wer sie sicher beherrscht, hat die Basis für alle weiteren Techniken gelegt.
Rückstichnähte: Donati und Allgöwer
Die Donati-Naht kombiniert einen tiefen und einen oberflächlichen Stich für bessere Adaptation der Wundränder bei höherer Zugbelastung. Die Allgöwer-Naht ist eine kosmetisch günstigere Abwandlung davon, mit nur zwei statt vier sichtbaren Stichkanälen.
Matratzennähte
Die horizontale und vertikale Matratzennaht verteilen Zugkräfte auf eine größere Gewebefläche und eignen sich besonders bei Wunden unter erhöhter Spannung.
Die anspruchsvollste Technik: Fortlaufende Intrakutannaht
Die fortlaufende Intrakutannaht verläuft komplett unter der Hautoberfläche und liefert das beste kosmetische Ergebnis – dafür lohnt sie sich erst zu üben, wenn die Grundtechniken sicher sitzen.
Der Knoten: Grundlage jeder Naht
Ohne einen sicheren Knoten ist jede Naht wertlos. Der Instrumentenknoten ist die in der Praxis am häufigsten verwendete Technik und lohnt sich isoliert zu üben.
Nahtmaterial: Fadenstärke und Resorbierbarkeit
Welche Fadenstärke für welches Gewebe infrage kommt, erklärt der Artikel Fadenstärken (USP) einfach erklärt. Ob resorbierbares oder nicht resorbierbares Material sinnvoller ist, zeigt der Artikel Nahtmaterial: Resorbierbar vs. nicht resorbierbar.
Die Nadel: oft unterschätzt
Auch die Nadelform beeinflusst das Ergebnis erheblich – rund oder schneidend, mit oder ohne Öhr. Mehr dazu im Artikel Chirurgische Nadeltypen: Rund vs. schneidend.
In welcher Reihenfolge üben?
- Einzelknopfnaht und Instrumentenknoten isoliert üben, bis beide sicher sitzen
- Donati-Naht als nächste Erweiterung
- Matratzennaht und Allgöwer-Naht als Varianten für spezielle Situationen
- Fortlaufende Intrakutannaht als anspruchsvollster Abschluss
Fazit
Alle Nahttechniken bauen letztlich auf denselben Grundprinzipien auf – symmetrische Stichführung, gleichmäßige Tiefe, sicherer Knoten. Wer diese Grundlagen einmal verinnerlicht hat, lernt jede weitere Technik deutlich schneller. Geübt wird alles am besten mit einem chirurgischen Nahtset, das Nahtpad, Instrumente und Nahtmaterial in einem enthält.
Häufige Fragen
Welche Nahttechnik lernt man zuerst?
Die Einzelknopfnaht, kombiniert mit dem Instrumentenknoten – sie bildet die Basis für alle weiteren Techniken.
Wie viele Nahttechniken gibt es?
Es gibt zahlreiche Varianten, im Studium und in der klinischen Praxis häufig geprüft werden aber vor allem die hier vorgestellten Grundtechniken.
Wie übe ich Nahttechniken zuhause?
Mit einem eigenen Nahtset auf einem realistischen Nahtpad – unabhängig von Uni-Terminen und in kurzen, regelmäßigen Einheiten.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Ausbildungszwecken und ersetzt keine praktische Anleitung durch qualifiziertes Fachpersonal. Trotz sorgfältiger Recherche kann keine Gewähr für Vollständigkeit oder Aktualität übernommen werden.
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