Nahtmaterial: Resorbierbar vs. nicht resorbierbar

Resorbierbar oder nicht – mit Resorptionszeiten der wichtigsten Materialien und wann welche Gruppe zum Einsatz kommt.
Anatomedic Redaktion 6 Min. Lesezeit

Neben der Fadenstärke ist die Frage resorbierbar oder nicht resorbierbar die zweite grundlegende Weichenstellung bei der Wahl des Nahtmaterials. Beide Gruppen unterscheiden sich nicht nur im Verbleib im Körper, sondern auch in Material, Reissfestigkeitsverlauf und Einsatzgebiet.

Der grundlegende Unterschied

Resorbierbares Nahtmaterial wird vom Körper abgebaut und muss nicht entfernt werden – synthetisches resorbierbares Material wird dabei überwiegend durch Hydrolyse (Wasseraufnahme) gespalten. Nicht resorbierbares Material bleibt dauerhaft stabil und wird entweder nach der Wundheilung manuell entfernt (etwa bei der klassischen Hautnaht) oder verbleibt dauerhaft im Körper, wenn das Gewebe langfristigen Halt benötigt.

Zwei wichtige Kennzahlen bei resorbierbarem Material

  • Resorptionszeit (Halbwertszeit): der Zeitraum, in dem das Material die Hälfte seiner ursprünglichen Reißfestigkeit verliert.
  • Auflösezeit: der Zeitraum, bis das Material vollständig abgebaut ist.

Beide Werte unterscheiden sich je nach Material teils erheblich – die passende Wahl hängt davon ab, wie lange das Gewebe während der Heilung Unterstützung braucht.

Häufige resorbierbare Materialien im Überblick

Material Resorptionszeit (Halbwertszeit) Vollständige Auflösung
Polyglykolsäure ca. 2 Wochen ca. 5 Wochen
Poliglecapron ca. 1–2 Wochen ca. 15 Wochen
Polydioxanon ca. 5 Wochen ca. 27 Wochen
Catgut, chrom ca. 6 Wochen

Werte nach DocCheck Flexikon: Nahtmaterial, siehe Quellen. Herstellerangaben können je nach Produkt leicht abweichen.

Häufige nicht resorbierbare Materialien

Zu den gängigen nicht resorbierbaren Materialien zählen Polyamid (z. B. als Nylon), Polypropylen und Seide. Polyamid-Fäden sind reißfest, geschmeidig und nehmen kaum Wasser auf – dafür zerfallen sie über Monate bis Jahre in Bruchstücke, die im Gewebe verbleiben, wenn sie nicht rechtzeitig entfernt werden.

Wann welche Gruppe zum Einsatz kommt

Resorbierbares Material eignet sich besonders für tiefe Gewebeschichten, interne Nähte und schwer zugängliche Bereiche, wo ein Fadenzug nicht möglich wäre. Nicht resorbierbares Material kommt vor allem dort zum Einsatz, wo sehr langer Halt gefragt ist, etwa in der Gefäßchirurgie oder bei Sehnen, oder bei der klassischen Hautnaht, deren Fäden nach Abschluss der Wundheilung gezogen werden.

Warum Reissfestigkeitsverlust gewollt ist

Bei resorbierbarem Material nimmt die Reißfestigkeit mit der Zeit gezielt ab – das ist erwünscht, damit das genähte Gewebe nicht dauerhaft unter künstlicher Spannung gehalten wird, sondern zunehmend die eigene Tragfähigkeit übernimmt.

Fazit

Die Wahl zwischen resorbierbar und nicht resorbierbar richtet sich danach, wie lange das Gewebe Unterstützung braucht und ob eine Fadenentfernung sinnvoll möglich ist. Zur passenden Fadenstärke innerhalb der gewählten Materialgruppe findest du alles im Artikel Fadenstärken (USP) einfach erklärt.

Häufige Fragen

Wann resorbierbares Material verwenden?
Vor allem bei tiefen, schwer zugänglichen Gewebeschichten, wo eine Fadenentfernung nicht praktikabel wäre.

Muss nicht-resorbierbares Material immer gezogen werden?
Nicht zwingend – in bestimmten Bereichen wie der Gefäßchirurgie verbleibt es dauerhaft im Körper.

Welches Material eignet sich zum Üben?
Für das Training zuhause spielt Resorbierbarkeit keine Rolle – gängig ist nicht resorbierbares, gut sichtbares Nylon.


Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Ausbildungszwecken und ersetzt keine praktische Anleitung durch qualifiziertes Fachpersonal. Trotz sorgfältiger Recherche kann keine Gewähr für Vollständigkeit oder Aktualität übernommen werden.

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