Vor dem ersten Skills-Lab-Termin ist fast jeder ein bisschen nervös: Man soll vor Kommiliton:innen und Dozierenden etwas können, das man noch nie gemacht hat. Das ist völlig normal. Mit ein paar praktischen Strategien gehst du deutlich entspannter in den Kurs und lernst mehr, weil du dich weniger auf die Nervosität konzentrieren musst.
Warum Nervosität im Skills Lab normal ist
Praktische Fertigkeiten vor Kommiliton:innen und Dozierenden zu zeigen, fühlt sich zu Beginn oft unangenehm an. Das betrifft nahezu jeden – niemand beherrscht die Einzelknopfnaht beim ersten Versuch perfekt.
Zusätzlich reagiert der Körper in Bewertungssituationen mit einer Stressreaktion: Herzschlag und Anspannung steigen, und manchmal zittern die Hände. Für feinmotorische Aufgaben wie das Nähen ist das unangenehm, aber ein normaler Effekt der Aufregung – und kein Zeichen mangelnder Eignung.
Konkrete Strategien vor dem Kurs
Wer die Grundtechnik vorab zu Hause geübt hat, geht deutlich entspannter in den Kurs, weil die Bewegungsabläufe schon vertrauter sind. Auch ein Blick auf Videos oder Anleitungen im Vorfeld nimmt Unsicherheit. Eine praktische Checkliste zur Vorbereitung findest du in unserem Artikel Nahtkurs Vorbereitung.
Mentale Vorbereitung am Kurstag
Es hilft, sich bewusst zu machen, dass Fehler Teil des Lernprozesses sind und Dozierende genau dafür da sind. Fragen zu stellen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern der effizienteste Weg, schneller sicherer zu werden.
Kleine Kniffe gegen Anspannung im Moment
- Langsam ausatmen: Ein paar bewusste, ruhige Atemzüge vor dem ersten Stich senken die körperliche Anspannung.
- Hände abstützen: Beim Nähen hilft es, Unterarme oder Handballen aufzulegen; das stabilisiert und reduziert Zittern.
- Auf den nächsten Handgriff fokussieren: Nicht auf das Gesamtergebnis, sondern auf den einzelnen Stich.
- Tempo rausnehmen: Langsam und kontrolliert zu arbeiten ist im Kurs kein Nachteil, sondern erwünscht.
- Koffein dosieren: Sehr viel Kaffee vor dem Kurs kann Zittern und innere Unruhe verstärken.
Feedback als Hilfe, nicht als Urteil
Rückmeldungen der Dozierenden sind Werkzeuge zum Lernen, keine Bewertung deiner Person. Wer Kritik als Information versteht („Gleichmäßigere Stichabstände“ statt „Das war schlecht“), kann sie direkt umsetzen und fühlt sich weniger angegriffen. Ein Kommilitone oder eine Kommilitonin als Übungspartner hilft zusätzlich, weil ihr euch gegenseitig ohne Notendruck beobachten und Rückmeldung geben könnt.
Wenn die Nervosität stärker wird
Ein gewisses Maß an Aufregung vor einer Bewertungssituation ist normal und kann sich sogar leistungssteigernd auswirken. Wenn die Anspannung jedoch regelmäßig überwältigend wird, bieten viele Hochschulen kostenlose psychologische Beratungsstellen an, die genau auf solche Situationen spezialisiert sind.
Was andere Studierende erleben
Psychologische Beratungsstellen deutscher Hochschulen berichten übereinstimmend, dass praktische Bewertungssituationen selbst bei Studierenden Nervosität auslösen können, die vorher nie Probleme mit Prüfungsangst hatten. Das zeigt: Die Reaktion hat weniger mit individueller Schwäche zu tun als mit der ungewohnten Situation selbst, direkt vor Publikum beurteilt zu werden.
Fazit
Übung zu Hause nimmt viel Druck aus dem Kurstag selbst. Mit dem chirurgischen Nahtset kannst du die Grundtechniken vorab in Ruhe trainieren. Was im Kurs generell auf dich zukommt, erfährst du in unserem Überblick Skills Lab Medizinstudium. Für die Zeit vor praktischen Prüfungen helfen außerdem unsere Tipps zur Prüfungsangst vorm Testat.
Häufige Fragen
Ist es normal, vor dem Skills Lab nervös zu sein?
Ja. Praktische Fertigkeiten vor anderen zu zeigen, löst bei nahezu allen Studierenden Nervosität aus – auch bei denen, die sonst keine Probleme mit Prüfungen haben.
Was hilft gegen zitternde Hände beim Nähen?
Ruhig ausatmen, Unterarme oder Handballen auflegen, das Tempo reduzieren und auf den nächsten Handgriff statt auf das Gesamtergebnis konzentrieren. Regelmäßiges Üben vorab gibt zusätzlich Sicherheit.
Was mache ich, wenn ich einen Fehler mache?
Ruhig weitermachen und ggf. nachfragen. Fehler gehören zum Lernprozess; Dozierende sind dafür da, sie mit dir zu besprechen.
Wann sollte ich mir Hilfe holen?
Wenn die Anspannung regelmäßig überwältigend wird oder du Prüfungssituationen zunehmend vermeidest, ist die psychologische Beratungsstelle deiner Hochschule eine gute erste Anlaufstelle; das Angebot ist für Studierende in der Regel kostenlos.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Ausbildungszwecken und ersetzt weder psychologische oder ärztliche Beratung noch praktische Anleitung durch qualifiziertes Fachpersonal. Trotz sorgfältiger Recherche kann keine Gewähr für Vollständigkeit oder Aktualität übernommen werden.
Anatomedic Redaktion – Praxisnah aufbereitete Lerninhalte für Medizinstudierende.
Quellen und weiterführende Literatur
- FU Berlin, Studienberatung und Psychologische Beratung: Prüfungsangst. fu-berlin.de
- Humboldt-Universität zu Berlin: Prüfungsangst. hu-berlin.de