Nahtkurs

Chirurgische Instrumente im Nahtkurs: Nadelhalter, Pinzette, Schere und Klemme erklärt

Nadelhalter, Pinzetten, Schere und Moskitoklemme: woran du jedes Instrument erkennst, wofür du es beim Nähen brauchst und wie du es richtig hältst.
Anatomedic Redaktion 8 Min. Lesezeit

Kurzantwort: Für eine Hautnaht im Nahtkurs brauchst du vier Instrumente. Der Nadelhalter führt die Nadel, die Pinzette fixiert den Wundrand, die Schere kürzt den Faden, und die Klemme hält Faden oder Gewebe fest. Bei den Pinzetten gilt: Die chirurgische Pinzette hat ineinandergreifende Zähnchen und fasst fest zu, die anatomische Pinzette hat Querrillen und fasst schonend, rutscht aber leichter ab.

Wer zum ersten Mal ein Instrumentensieb im Skills Lab vor sich hat, sieht vor allem: viele gleißende Instrumente, die sich auf den ersten Blick ähneln. Dieser Artikel sortiert die Grundausstattung für das chirurgische Nähen, erklärt, woran du jedes Instrument erkennst, wie du es hältst und welche Fehler Anfängerinnen und Anfänger am häufigsten machen.

Stand: September 2026

Die Instrumente im Überblick

Instrument Erkennungsmerkmal Aufgabe beim Nähen Typischer Anfängerfehler
Nadelhalter Kurzes, kräftiges Maul, oft mit Hartmetalleinlage; meist Ringgriffe mit Arretierung Nadel greifen und durchs Gewebe führen; Instrumentenknoten Nadel zu weit vorne oder direkt am Fadenansatz greifen
Chirurgische Pinzette Spitze Haltebacken mit ineinandergreifenden Zähnchen Wundrand und Haut sicher fixieren Zu fest zudrücken und den Wundrand quetschen
Anatomische Pinzette Abgerundete Haltebacken mit Querrillen, ohne Zähne Empfindliche Strukturen schonend fassen; Nadel und Faden greifen; Fadenzug Starken Zug ausüben wollen – das Gewebe rutscht heraus
Schere Zwei Branchen mit Schneiden, Ringgriffe Faden kürzen Fadenenden zu kurz abschneiden, Knoten kann aufgehen
Moskitoklemme Kleine, feine Klemme mit Querriefen und Arretierung Faden oder feine Strukturen halten; Blutstillung an kleinen Gefäßen Als Nadelhalter-Ersatz benutzen

Nadelhalter: das wichtigste Instrument

Laut DocCheck Flexikon spannt man in den Nadelhalter die Nadel ein, damit sie nicht verrutscht und die Operateurin oder der Operateur deutlich mehr Kontrolle hat als bei manueller Führung. Im Nahtkurs begegnen dir vor allem drei Bauformen:

  • Nadelhalter nach Mayo-Hegar: Schlanker Nadelhalter mit Brillengriff (Ringgriffen) und Arretierung. Der kurze Kopf erleichtert das Arbeiten in der Tiefe. Er ist die Standardform, mit der die meisten Studierenden anfangen.
  • Nadelhalter nach Hegar-Olsen: Wie der Mayo-Hegar, aber hinter dem Kopfteil sitzt zusätzlich eine Scherenfläche. Damit kannst du den Faden ohne separate Schere durchtrennen, was ihn für Eingriffe ohne Assistenz praktisch macht.
  • Nadelhalter nach Mathieu: Ohne Ringgriffe, stattdessen zwei Branchen mit Feder und Arretierung dazwischen. Er erleichtert häufiges Umgreifen, etwa bei fortlaufenden Nähten, ist aber für tiefe Operationsfelder weniger geeignet.

Goldfarbene Ringgriffe kennzeichnen häufig Nadelhalter mit besonders widerstandsfähiger Hartmetalleinlage im Maul. Diese Einlage hält die Nadel sicherer und verschleißt langsamer.

Richtig greifen: Die Nadel wird mit der Spitze des Nadelhalters im hinteren Drittel des Nadelkörpers gefasst, nicht direkt am Fadenansatz, wo sie leicht bricht oder sich verbiegt. Die Nadel steht dabei senkrecht zum Nadelhalter. Daumen und Ringfinger stecken in den Ringen, der Zeigefinger stabilisiert das Instrument an der Branche. Eine ausführliche Anleitung zu Griff und Handgelenksbewegung findest du im Artikel Nadelhalter richtig führen.

Pinzetten: anatomisch oder chirurgisch?

Die Unterscheidung zwischen anatomischer und chirurgischer Pinzette ist eine Klassikerfrage in Nahtkurs und OSCE.

Chirurgische Pinzette

Die chirurgische Pinzette hat spitze Haltebacken mit Zähnchen, die beim Schließen ineinandergreifen, häufig im Verhältnis 1:2. Sie hält derbes Gewebe wie Haut, Faszien oder Bindegewebe sicher fest. Empfindliche Strukturen wie Gefäße oder Nerven sollte man damit nicht fassen, weil die Zähne sie verletzen können. Eine feine Variante ist die chirurgische Pinzette nach Adson, die sich durch ihre schmal zulaufende Spitze gut für Hautnähte eignet.

Anatomische Pinzette

Die anatomische Pinzette hat abgerundete Haltebacken mit Querrillen. Sie fasst schonend und eignet sich für empfindliche Strukturen, zum Greifen von Nadel und Faden und für den Fadenzug. Ihr Nachteil: Gefasstes Gewebe kann herausrutschen, starker Zug ist nicht möglich.

Atraumatische Pinzetten

Dazwischen liegen atraumatische Pinzetten wie die Pinzette nach DeBakey. Ihre feinen Zahnreihen verhindern ein Abgleiten, ohne das Gewebe zu verletzen. Sie wurden für die Gefäßchirurgie entwickelt und spielen im Grundkurs meist noch keine Rolle.

Eselsbrücke: Die anatomische Pinzette schont anatomische Strukturen. Mit der chirurgischen Pinzette greift die Chirurgin fest zu.

Richtig halten: Die Pinzette wird wie ein Stift gehalten, zwischen Daumen und Zeigefinger, gestützt auf dem Mittelfinger. Den Wundrand fasst du nur so fest wie nötig und evertierst ihn leicht, also nach außen, statt ihn zu quetschen. Gequetschte Wundränder heilen schlechter.

Scheren: Fadenschere und Präparierschere

Im Nahtkurs brauchst du vor allem eine Schere zum Fadenkürzen. Im OP werden Scheren nach ihrem Zweck unterschieden: Fadenscheren schneiden Nahtmaterial, Präparierscheren wie die feine Metzenbaum-Schere oder die kräftigere Mayo-Schere durchtrennen Gewebe. Präparierscheren sollten nicht für Fäden benutzt werden, weil ihre Schneiden dadurch schneller stumpf werden.

Die Schere wird wie der Nadelhalter gehalten: Daumen und Ringfinger in den Ringen, der Zeigefinger auf der Branche für Stabilität. Beim Kürzen gilt: Fadenenden nicht zu knapp abschneiden, sonst kann sich der Knoten lösen. Zu lange Enden stören dagegen und erschweren später den Fadenzug. In vielen Nahtkursen wird für Hautnähte eine Länge von etwa einem halben bis einem Zentimeter gelehrt; halte dich an die Vorgabe deiner Tutorin oder deines Tutors.

Klemmen: die Moskitoklemme

Klemmen sind laut DocCheck Flexikon chirurgische Instrumente mit einer Sperrvorrichtung, die Gewebe oder Material dauerhaft fassen und halten. Die Moskitoklemme ist eine kleine, feine Klemme mit Querriefen im Maul. Im OP dient sie vor allem der Blutstillung an kleinen Gefäßen. Im Nahtkurs nutzt du sie, um Fadenenden zu halten, zum Beispiel den Anfangsfaden bei einer fortlaufenden Naht, oder um feines Gewebe zu fixieren.

Wichtig: Eine Klemme ist kein Nadelhalter. Ihr Maul ist nicht dafür gebaut, eine gebogene Nadel sicher zu fixieren. Die Nadel verdreht sich, verbiegt oder rutscht. Zum Öffnen der Arretierung drückst du die Ringe leicht gegeneinander und verschiebst sie seitlich, bis die Zahnleiste freigibt.

Sicher arbeiten und Instrumente pflegen

  • Nadel nie mit den Fingern greifen: Nadel und Faden werden mit Nadelhalter oder Pinzette gehandhabt. Das schützt vor Stichverletzungen und ist im OP Pflicht.
  • Nadel sicher ablegen: Nach jedem Stich bleibt die Nadel im Nadelhalter oder wird so abgelegt, dass niemand hineingreift.
  • Nach dem Üben reinigen: Instrumente aus rostfreiem Stahl nach dem Training säubern und gründlich trocknen.
  • Arretierung offen lagern: Instrumente nicht dauerhaft eingerastet aufbewahren, damit Federspannung und Maul geschont werden.

Was gehört in ein Nahtset für Anfänger?

Für das Training zu Hause oder als Vorbereitung auf den Nahtkurs brauchst du genau die hier beschriebenen Instrumente plus ein Übungsmodell und Nahtmaterial. Das chirurgische Nahtset von anatomedic enthält:

  • Nahtpad mit 14 vordefinierten Schnitten, mehrschichtig und mehrfach verwendbar
  • Nadelhalter
  • anatomische und chirurgische Pinzette
  • Schere
  • Moskitoklemme
  • Nahtmaterial aus Nylon und Seide
  • Zugang zur Anatomedic-Lern-App, die Schritt für Schritt von Instrumenten- und Nahtkunde zu Nahttechniken mit steigendem Schwierigkeitsgrad führt

Wer bereits Instrumente hat, kann einzelne Teile ergänzen, etwa den Premium Nadelhalter mit goldfarbenen Ringgriffen. Worauf du beim Kauf achten solltest, erklärt der Artikel Chirurgisches Nahtset kaufen.

Merke

  • Nadelhalter führt die Nadel, Pinzette fixiert, Schere kürzt, Klemme hält.
  • Chirurgische Pinzette: Zähnchen, fester Halt, nicht für Gefäße und Nerven. Anatomische Pinzette: Querrillen, schonend, rutscht leichter ab.
  • Die Nadel im hinteren Drittel greifen, nie direkt am Fadenansatz.
  • Klemmen sind kein Ersatz für den Nadelhalter.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen anatomischer und chirurgischer Pinzette?
Die chirurgische Pinzette hat ineinandergreifende Zähnchen und hält derbes Gewebe wie Haut sicher fest. Die anatomische Pinzette hat abgerundete Backen mit Querrillen, fasst schonender, erlaubt aber keinen starken Zug.

Welche Pinzette nimmt man für eine Hautnaht?
Zum Fixieren des Wundrandes wird meist eine chirurgische Pinzette verwendet, weil die Haut mit geringem Druck sicher gehalten werden kann. Zum Greifen von Nadel und Faden oder beim Fadenzug ist die anatomische Pinzette geeignet.

Welcher Nadelhalter ist für Anfänger am besten?
Ein Nadelhalter mit Ringgriffen und Arretierung nach Mayo-Hegar ist die gängige Standardform und für den Einstieg gut geeignet. Mathieu-Nadelhalter sind eher etwas für Fortgeschrittene, die schnell umgreifen wollen.

Warum haben manche Nadelhalter goldene Griffe?
Goldfarbene Griffe kennzeichnen häufig Instrumente mit Hartmetalleinlage im Maul. Diese hält die Nadel besonders sicher und ist verschleißfester.

Kann ich mit einer Klemme statt mit einem Nadelhalter nähen?
Nein. Das Maul einer Klemme ist nicht für gebogene Nadeln gebaut. Die Nadel rutscht oder verbiegt sich, und du gewöhnst dir eine falsche Technik an.

Brauche ich eigene Instrumente im Medizinstudium?
Für den Nahtkurs stellt die Uni meist Material. Wer zusätzlich zu Hause üben will, braucht eigene Instrumente. Mehr dazu im Artikel Brauche ich ein eigenes Nahtset im Medizinstudium?


Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Ausbildungszwecken und ersetzt keine praktische Anleitung durch qualifiziertes Fachpersonal. Trotz sorgfältiger Recherche kann keine Gewähr für Vollständigkeit oder Aktualität übernommen werden. Die Anwendung am Patienten darf ausschließlich unter fachlicher Anleitung und Aufsicht erfolgen.

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