Nahtmaterial

Nahtmaterial in der Zahnmedizin: Welcher Faden wofür?

Resorbierbar oder nicht, monofil oder geflochten, welche Stärke und welche Nadel: So findest du dich beim Nahtmaterial in der Zahnmedizin zurecht.

Anatomedic Redaktion 2 Min. Lesezeit

Im Kurs liegen plötzlich verschiedene Fadenpackungen vor dir, und jede sieht anders aus. Welches Nahtmaterial in der Mundhöhle verwendet wird, hängt von drei Fragen ab: Soll der Faden sich selbst auflösen? Ist er einfaserig oder geflochten? Und wie dick muss er sein? Dieser Artikel ordnet die wichtigsten Materialien für dich ein.

Resorbierbar oder nicht resorbierbar?

Resorbierbare Fäden werden vom Körper mit der Zeit abgebaut. Sie müssen nicht gezogen werden, was gerade bei schwer zugänglichen Stellen oder bei Patientinnen und Patienten, die schwer wieder einzubestellen sind, ein Vorteil ist.

Nicht resorbierbare Fäden bleiben, bis sie entfernt werden. Dafür ist ihre Haltekraft gut vorhersehbar, und die Behandlerin oder der Behandler kontrolliert beim Entfernen gleich die Wundheilung.

Die Grundlagen zu beiden Gruppen erklärt der Artikel Nahtmaterial: resorbierbar vs. nicht resorbierbar.

Monofil oder geflochten?

Für die Mundhöhle ist diese Frage besonders wichtig.

  • Monofile Fäden bestehen aus einer einzigen Faser. Ihre glatte Oberfläche lässt weniger Bakterien und Beläge anhaften. Dafür sind sie etwas steifer und brauchen sauber gesetzte Knoten.
  • Geflochtene (multifile) Fäden sind geschmeidig, lassen sich angenehm knoten und halten den Knoten gut. Durch ihre Struktur können sie aber Flüssigkeit und Bakterien entlang des Fadens in die Wunde leiten, die sogenannte Dochtwirkung.

Weil der Mund nie keimfrei ist, werden intraoral häufig monofile Materialien bevorzugt.

Die wichtigsten Materialien im Überblick

Nicht resorbierbar

  • Seide: geflochten, sehr angenehmes Handling und klassisch in der Zahnmedizin. Wegen der Dochtwirkung und der Belagsanlagerung wird sie heute vielerorts durch monofile Kunststofffäden ersetzt.
  • Polyamid (Nylon): monofil, glatt und gewebefreundlich. Ein gängiges Material zum Üben und für viele Standardsituationen.
  • Polypropylen: monofil, sehr glatt, rutscht leicht durchs Gewebe.
  • PTFE: monofil, weich und sehr gewebefreundlich. Wird häufig in der Implantologie und bei Augmentationen eingesetzt.

Resorbierbar

  • Polyglactin 910: geflochten, wird innerhalb einiger Wochen abgebaut. Es gibt schnell resorbierbare Varianten, die sich für die Mundschleimhaut besonders eignen.
  • Polyglecapron 25: monofil und vergleichsweise schnell resorbierbar.
  • Polydioxanon: monofil und langsam resorbierbar, eher für tiefere Schichten.

Welches Material deine Klinik verwendet, hängt stark von der jeweiligen Lehrmeinung ab. Es lohnt sich, im Kurs nachzufragen, warum ein bestimmter Faden gewählt wird.

Welche Fadenstärke?

Die Stärke wird nach USP angegeben: Je mehr Nullen, desto dünner der Faden. In der Mundhöhle werden meist feine Fäden im Bereich von etwa 3-0 bis 5-0 verwendet. Für sehr feine Arbeiten, etwa in der Parodontalchirurgie, kommen auch 6-0 oder dünnere Fäden zum Einsatz. Eine Umrechnungstabelle findest du im Artikel Fadenstärken (USP) einfach erklärt.

Und die Nadel?

Intraoral werden meist gebogene Nadeln verwendet, häufig mit 3/8- oder 1/2-Kreis-Krümmung. Eine stärkere Krümmung hilft bei engen Platzverhältnissen. Für die feste Gingiva und Schleimhaut sind schneidende Nadeln verbreitet, für zarteres Gewebe Rundkörpernadeln. Mehr dazu im Artikel Chirurgische Nadeltypen im Überblick.

Womit üben?

Zum Üben eignet sich monofiles Nylon besonders gut. Es verzeiht wenig beim Knoten und trainiert so eine saubere Technik. Im chirurgischen Nahtset Zahnmedizin ist Nahtmaterial aus Nylon 4/0 mit Nadel enthalten. Zum Nachfüllen gibt es Nylon 4/0 auch einzeln.

Häufige Fragen

Welches Nahtmaterial nimmt man nach einer Zahnextraktion?
Das hängt von der Klinik ab. Verbreitet sind sowohl nicht resorbierbare monofile Fäden, die nach etwa einer Woche gezogen werden, als auch schnell resorbierbare Fäden.

Warum wird Seide in der Zahnmedizin seltener verwendet?
Weil der geflochtene Faden Beläge und Bakterien leichter aufnimmt und entlang des Fadens in die Wunde leiten kann. Monofile Fäden haben diesen Nachteil nicht.

Welche Fadenstärke ist im Mund üblich?
Meist 3-0 bis 5-0, für feine parodontalchirurgische Eingriffe auch dünner.


Anatomedic Redaktion – Praxisnah aufbereitete Lerninhalte für Medizin- und Zahnmedizinstudierende. Dieser Artikel dient dem Lernen und ersetzt keine klinische Anleitung.

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