Physician Assistants (PA) sind in Deutschland noch ein vergleichsweise junger Beruf – und genau deshalb gibt es kaum praxisnahe Infos dazu, was im Alltag wirklich an Handwerk verlangt wird. Ein Bereich taucht in fast jeder chirurgischen Stellenausschreibung auf: Wundversorgung, Wundverschluss und Assistenz im OP. Hier erfährst du, was das offizielle Konzept dazu vorsieht, welche Nahttechniken du sicher können solltest und wie du dich schon vor dem Praxiseinsatz vorbereitest.
Was das BÄK/KBV-Konzept vorsieht
Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung haben 2017 ein gemeinsames Konzept für den Beruf Physician Assistant vorgelegt, das der Deutsche Ärztetag im selben Jahr befürwortet hat. Es beschreibt den PA als Delegationsberuf: Die Ärztin oder der Arzt überträgt Aufgaben, behält aber die Verantwortung für Diagnose, Indikation und Therapieentscheidung. Die Kernleistungen operativer Eingriffe bleiben ärztlich.
Teil des Konzepts ist ein Kompetenzkatalog mit Kompetenzebenen. Ebene 2 bedeutet, dass du Zusammenhänge erklären kannst, Ebene 3a, dass du eine Tätigkeit unter Anleitung durchführst, und Ebene 3b, dass du sie selbstständig ausführst. Für den chirurgischen Bereich sind unter anderem diese Punkte relevant:
- Durchführung einfacher Wundverschlüsse: Ebene 3b – also selbstständig.
- Wundverschluss-Techniken: Ebene 2 – du sollst die Techniken kennen und begründen können, wann welche eingesetzt wird.
- Chirurgische Assistenz bei Operationen: Ebene 3b.
- Blutstillung und Einlegen von Drainagen: Ebene 3a.
- Wundmanagement und Verbandwechsel inklusive Befunddokumentation: Ebene 3b.
Die praktische Ausbildung wird laut Konzept in einem Logbuch unter fachärztlicher Aufsicht dokumentiert. Wie viel du im Einzelfall nähen darfst, entscheidet trotzdem immer die delegierende Ärztin oder der delegierende Arzt – abhängig von deiner Qualifikation und der konkreten Situation.
Diese Nahttechniken solltest du sicher können
„Einfacher Wundverschluss“ heißt im Alltag vor allem: Hautnaht nach OP oder bei unkomplizierten Wunden. Dafür brauchst du ein solides Fundament, auf dem sich die anspruchsvolleren Techniken aufbauen lassen:
- Nadelhalter richtig führen: die Grundlage für jeden Stich – Haltung, Nadelfassung, Drehbewegung aus dem Handgelenk.
- Instrumentenknoten: schnell, materialsparend und im OP der Standard.
- Einzelknopfnaht: die wichtigste Grundtechnik, fehlertolerant und vielseitig.
- Donati-Naht: für Wunden unter Spannung, etwa in Gelenknähe – in der Orthopädie und Unfallchirurgie häufig gebraucht.
- Fortlaufende Intrakutannaht: kosmetisch besonders schön und typisch für den Hautverschluss nach elektiven Eingriffen.
Ergänzend lohnt sich das Wissen zu Nahtabstand und Stichtiefe, zu Fadenstärken und zum Unterschied zwischen resorbierbarem und nicht resorbierbarem Material. Und weil Wundmanagement ebenfalls dazugehört: Wann Fäden gezogen werden, hängt von der Körperregion ab.

Vor dem Praxiseinsatz üben
Mit dem Anatomedic Nahtset übst du zu Hause: mehrschichtiges Nahtpad mit 14 vordefinierten Schnitten, alle wichtigen Instrumente, 10× Nahtmaterial und Zugang zur Lern-App für iOS & Android. Kostenloser Versand, Lieferung in 1–3 Tagen.
Zum NahtsetWarum du nicht erst im OP üben solltest
Im OP ist die Zeit knapp, und am Patienten wird dir in der Regel erst dann ein Wundverschluss überlassen, wenn die Grundtechnik sitzt. Wer Nadelhalter, Knoten und Einzelknopfnaht schon vorher sicher beherrscht, bekommt schneller die Chance, unter Anleitung selbst zu nähen – und kann diese Zeit nutzen, um das zu lernen, was nur am echten Gewebe geht. Dass strukturiertes Simulationstraining dabei hilft, zeigt auch die Studienlage, die wir im Artikel Simulationstraining fürs Nähen: Was die Evidenz zeigt zusammengefasst haben.
So übst du strukturiert
Kurze, regelmäßige Einheiten bringen mehr als seltene lange Sessions. Ein möglicher Ablauf für die Wochen vor dem Praxissemester:
- Woche 1: Instrumente kennenlernen, Nadelhalter führen, Instrumentenknoten bis er ohne Nachdenken sitzt.
- Woche 2: Einzelknopfnaht – Fokus auf gleiche Stichtiefe und symmetrische Abstände.
- Woche 3: Donati-Naht und horizontale Matratzennaht.
- Woche 4: fortlaufende Intrakutannaht und Tempo – eine Schnittlänge sauber in festgelegter Zeit verschließen.
Welche Unterlage sich dafür eignet, vergleicht der Artikel Nahtpad, Schweinefuß oder Banane. Ob sich ein eigenes Set für dich lohnt, beantwortet der Ratgeber Brauche ich ein eigenes Nahtset? – die Überlegungen dort gelten für PA-Studierende genauso.
Auch Anatomie zählt
Anatomie und Physiologie sind fester Bestandteil des PA-Studiums, und viele PA-Stellen liegen in Orthopädie und Unfallchirurgie. Wer Knochen, Gelenke und Zugänge räumlich vor Augen hat, versteht OP-Schritte und Lagerung schneller. Dabei hilft ein lebensgroßes Anatomieskelett – oder, wenn du es nur für eine Lernphase brauchst, ein Modell aus dem Modellverleih.
Häufige Fragen
Dürfen Physician Assistants nähen?
Ja, im Rahmen der ärztlichen Delegation. Das BÄK/KBV-Konzept sieht vor, dass PA einfache Wundverschlüsse selbstständig durchführen können. Ob und was im Einzelfall delegiert wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Welche Naht sollte ich als PA zuerst lernen?
Die Einzelknopfnaht zusammen mit dem Instrumentenknoten. Darauf bauen Donati-Naht und Intrakutannaht auf.
Lernt man das Nähen nicht im Studium?
Die Grundlagen ja, die Routine kommt aber durch Wiederholung. Wer zusätzlich zu Hause übt, geht deutlich sicherer in den Praxiseinsatz.
Welche Voraussetzungen braucht man für das PA-Studium?
Das BÄK/KBV-Konzept sieht eine abgeschlossene dreijährige Ausbildung in einem Gesundheitsfachberuf vor. In der Praxis unterscheiden sich die Zugangsvoraussetzungen je nach Hochschule – prüfe sie deshalb direkt beim Studiengang.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Ausbildungszwecken und ersetzt keine praktische Anleitung durch qualifiziertes Fachpersonal. Trotz sorgfältiger Recherche kann keine Gewähr für Vollständigkeit oder Aktualität übernommen werden. Die Anwendung am Patienten darf ausschließlich unter fachlicher Anleitung und Aufsicht erfolgen.
Anatomedic Redaktion – Praxisnah aufbereitete Lerninhalte für Medizinstudierende.
Quellen und weiterführende Literatur
- Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung: Physician Assistant – Ein neuer Beruf im deutschen Gesundheitswesen, 2017. bundesaerztekammer.de
- Deutsches Ärzteblatt: Physician Assistant: Ärztetag befürwortet Modell zur Delegation, 2017. aerzteblatt.de