Nahttechniken

Nahttechniken in der Oralchirurgie: Der Überblick für Zahnmedizinstudierende

Einzelknopfnaht, Matratzennaht, Kreuznaht und fortlaufende Naht: die wichtigsten intraoralen Nahttechniken, ihre Einsatzgebiete und worauf es im Mund besonders ankommt.

Anatomedic Redaktion 3 Min. Lesezeit

In der Oralchirurgie gelten dieselben Grundprinzipien wie bei jeder Naht: Die Wundränder sollen spannungsfrei aneinanderliegen, damit die Wunde gut heilt. Im Mund kommen aber besondere Bedingungen dazu – enge Platzverhältnisse, empfindliche Schleimhaut, Speichel und die Zähne, die im Weg sind oder als Anker dienen. Dieser Artikel gibt dir einen Überblick über die Techniken, die dir im Studium am häufigsten begegnen.

Einzelknopfnaht

Die Einzelknopfnaht ist die Basistechnik und auch intraoral die am häufigsten verwendete Naht. Jeder Stich wird einzeln geknotet. Der große Vorteil: Löst sich ein Knoten, halten die übrigen Nähte weiter. Außerdem lässt sich die Spannung an jeder Stelle individuell anpassen.

Typischer Einsatz: Verschluss kleinerer Inzisionen, Fixierung von Schleimhautlappen, Wundverschluss nach Extraktion.

Die Technik Schritt für Schritt erklärt der Artikel Einzelknopfnaht.

Horizontale Matratzennaht

Bei der horizontalen Matratzennaht wird der Faden parallel zum Wundrand zweimal durch beide Wundränder geführt. Dadurch verteilt sich die Spannung auf eine größere Fläche, und die Wundränder werden leicht nach außen gedreht (evertiert).

Typischer Einsatz: Wunden unter etwas Spannung, Adaptation der Schleimhaut über einer Extraktionsalveole, Lappenverschluss in der Oralchirurgie.

Vertikale Matratzennaht

Hier wird der Faden senkrecht zum Wundrand in zwei Ebenen geführt – einmal weiter vom Rand entfernt, einmal nah am Rand. So werden die Wundränder sehr genau aneinandergelegt, ohne dass der Faden direkt am empfindlichen Rand zieht.

Typischer Einsatz: Situationen, in denen eine präzise Adaptation schmaler Gewebeanteile wichtig ist, zum Beispiel in der Parodontalchirurgie.

Beide Varianten der Matratzennaht vergleicht der Artikel Matratzennaht: horizontal und vertikal.

Kreuznaht

Die Kreuznaht, manchmal auch Achter- oder X-Naht genannt, verläuft diagonal über die Wunde, sodass sich der Faden in der Mitte kreuzt. Sie deckt eine größere Fläche ab als eine einzelne Einzelknopfnaht.

Typischer Einsatz: Über einer Extraktionsalveole, um das Blutkoagel oder eingebrachtes Material zu sichern und die Wundränder anzunähern.

Fortlaufende Naht

Bei der fortlaufenden Naht wird die gesamte Wunde mit einem einzigen Faden verschlossen, der nur am Anfang und am Ende geknotet wird. Das geht schnell und verteilt die Spannung gleichmäßig. Eine Variante ist die fortlaufende verschränkte Naht, bei der jede Schlinge fixiert wird, damit sich die Naht nicht zusammenzieht.

Typischer Einsatz: Längere Inzisionen, zum Beispiel entlang des Kieferkamms nach mehreren Extraktionen.

Nachteil: Reißt der Faden an einer Stelle oder löst sich ein Knoten, kann sich die gesamte Naht lockern.

Umschlingungsnaht

Bei der Umschlingungsnaht (englisch: sling suture) wird der Faden um einen Zahn herumgeführt. Der Zahn dient so als Anker, um einen Schleimhautlappen in seiner Position zu halten, ohne dass der Faden durch die gegenüberliegende Seite geführt werden muss.

Typischer Einsatz: Parodontalchirurgie, Fixierung von Lappen im Bereich einzelner Zähne.

Was beim Nähen im Mund besonders wichtig ist

  • Ausreichend Abstand zum Wundrand: Schleimhaut reißt leichter ein als Haut.
  • Spannungsfreier Verschluss: Zu fest gezogene Nähte stören die Durchblutung und können durchschneiden.
  • Knoten neben die Wunde legen: nicht direkt auf die Inzision.
  • Passendes Nahtmaterial: Monofile Fäden sammeln weniger Beläge als geflochtene. Mehr dazu im Artikel Nahtmaterial in der Zahnmedizin.

Welche Technik im Einzelfall angewendet wird, hängt immer vom Befund und vom Vorgehen deiner Klinik ab.

Intraorale Nahttechniken üben

Die Bewegungsabläufe dieser Techniken lassen sich gut am Modell trainieren. Besonders realistisch wird das an einem Kiefermodell, weil du dort die typischen Winkel und den Platzmangel im Mund nachstellst. Das chirurgische Nahtset Zahnmedizin enthält dafür vier Silikon-Kiefermodelle mit vorbereiteten Schnitten sowie Instrumente und Nahtmaterial.

Häufige Fragen

Welche Naht wird in der Zahnmedizin am häufigsten verwendet?
Die Einzelknopfnaht. Sie ist einfach, sicher und lässt sich an fast jeder Stelle im Mund einsetzen.

Wie näht man nach einer Zahnextraktion?
Häufig werden Einzelknopfnähte, eine Kreuznaht oder eine horizontale Matratzennaht über der Alveole verwendet. Welche Technik gewählt wird, hängt von der Wundgröße und dem Vorgehen der Klinik ab.

Wann werden Fäden im Mund gezogen?
Nicht resorbierbare Fäden werden intraoral meist nach etwa einer Woche entfernt. Den genauen Zeitpunkt legt immer die behandelnde Zahnärztin oder der behandelnde Zahnarzt fest.


Anatomedic Redaktion – Praxisnah aufbereitete Lerninhalte für Medizin- und Zahnmedizinstudierende. Dieser Artikel dient dem Lernen und ersetzt keine klinische Anleitung.

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