Subkutannaht und Hautnaht werden im Skills Lab oft in einem Atemzug genannt, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben: Die eine sichert die Wunde in der Tiefe, die andere schließt sie an der Oberfläche. Wer den Unterschied versteht, versteht auch, warum tiefere Wunden häufig in zwei Schichten verschlossen werden.
Subkutannaht: Technik und Zweck
Die Subkutannaht adaptiert tiefere Gewebeschichten wie das subkutane Fettgewebe und nimmt damit einen Großteil der Wundspannung von der Hautoberfläche. Sie wird meist mit resorbierbarem Material genäht und der Knoten dabei versenkt, sodass er unter der Haut verbleibt.
Ein zweiter Effekt: Die Subkutannaht verkleinert den Totraum in der Wunde. Hohlräume, in denen sich Wundsekret oder Blut sammeln kann, gelten als Risiko für Wundheilungsstörungen – ein Grund, warum in tieferen Wunden die Tiefe mitverschlossen wird.
Hautnaht: Technik und Zweck
Die Hautnaht dient der präzisen Adaptation der Wundränder an der Oberfläche und damit dem kosmetischen Ergebnis. Je nach Material und Lokalisation kommen nicht resorbierbare Fäden zum Einsatz, die nach einigen Tagen gezogen werden, oder feine resorbierbare Fäden. Die klassische Variante ist die Einzelknopfnaht, bei der jeder Stich einzeln gesetzt und verknotet wird.
Wann werden beide Techniken kombiniert?
Bei tieferen oder unter Spannung stehenden Wunden ist ein zweischichtiger Verschluss Standard: Die Subkutannaht übernimmt die mechanische Entlastung, die Hautnaht sorgt für ein sauberes, spannungsfreies Wundbild und ein gutes kosmetisches Ergebnis. Bei flachen, spannungsarmen Wunden reicht dagegen oft die Hautnaht allein.
Abgrenzung: Subkutannaht und Intrakutannaht
Leicht zu verwechseln sind Subkutannaht und Intrakutannaht. Die Subkutannaht liegt im Unterhautfettgewebe und entlastet in der Tiefe. Die Intrakutannaht dagegen verläuft in der Dermis und ersetzt die Hautnaht von außen: Der Faden liegt komplett in der Haut, sodass an der Oberfläche keine Einstichstellen sichtbar sind. Beide Techniken lassen sich kombinieren; welche gewählt wird, hängt von Lokalisation, Spannung und kosmetischem Anspruch ab. Einen Überblick über weitere Verfahren gibt unser Artikel Nahttechniken im Überblick.
Materialwahl
Für die Subkutannaht kommt praktisch immer resorbierbares Material zum Einsatz, damit der Faden nicht wieder entfernt werden muss. Typische Beispiele sind Polyglactin, Poliglecaprone oder Polydioxanon, die sich in Resorptionszeit und Fadenverhalten unterscheiden. Bei der Hautnaht richtet sich die Fadenstärke vor allem nach der Körperregion: Im Gesicht werden dünnere Fäden verwendet, an Rumpf und Extremitäten meist etwas dickere, da dort höhere Zugkräfte wirken. Mehr zur Systematik findest du in unseren Artikeln zu Fadenstärken (USP) und zu resorbierbarem und nicht resorbierbarem Nahtmaterial.
Fadenentfernung bei nicht resorbierbaren Hautnähten
Nicht resorbierbare Hautfäden werden nach einigen Tagen gezogen. Als grobe Orientierung gilt: im Gesicht früher (häufig nach etwa 5 bis 7 Tagen), an Rumpf und Extremitäten später (häufig nach etwa 10 bis 14 Tagen). Die konkrete Entscheidung trifft immer die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt anhand von Lokalisation, Spannung und Heilungsverlauf.
Wundheilungsprozess im Hintergrund
Beide Nahtschichten unterstützen letztlich denselben biologischen Prozess: die möglichst ungestörte Wundheilung. Die Subkutannaht schafft dafür die mechanische Voraussetzung, indem sie Zugkräfte von der eigentlichen Wundfläche fernhält, während die Hautnaht die abschließende Barriere gegen äußere Einflüsse bildet und damit auch das Infektionsrisiko senkt.
Typische Fehler beim Üben
- Zu oberflächlich gefasst: Fasst die Subkutannaht nur wenig Gewebe, hält sie die Spannung nicht ab.
- Zu fest geknotet: Ein zu straff angezogener Faden kann das Gewebe einschnüren und die Durchblutung der Wundränder beeinträchtigen.
- Knoten nicht versenkt: Bei der Subkutannaht soll der Knoten in der Tiefe liegen und nicht die Hautnaht stören.
- Ungleiche Stichtiefe: Wie bei jeder Naht führt unterschiedliche Tiefe beider Seiten zu versetzten Wundrändern.
Fazit
Beide Techniken lassen sich am Nahtpad gut nacheinander üben. Mehr zu Nahtmaterial und dessen Eigenschaften erfährst du in unserem Artikel Nahtmaterial: Resorbierbar vs. nicht resorbierbar. Wenn du beide Schichten zu Hause trainieren willst, findest du im chirurgischen Nahtset die passende Ausstattung.
Häufige Fragen
Wird bei jeder Wunde eine Subkutannaht gesetzt?
Nein. Sie kommt vor allem bei tieferen oder unter Spannung stehenden Wunden zum Einsatz. Bei flachen, spannungsarmen Wunden genügt häufig die Hautnaht allein.
Muss der Faden der Subkutannaht gezogen werden?
In der Regel nicht: Sie wird mit resorbierbarem Material genäht, das vom Körper abgebaut wird.
Was ist der Unterschied zwischen Subkutannaht und Intrakutannaht?
Die Subkutannaht liegt im Unterhautfettgewebe und entlastet in der Tiefe. Die Intrakutannaht verläuft in der Dermis und ersetzt die Hautnaht von außen, sodass an der Oberfläche keine Einstichstellen sichtbar sind.
Wann werden Hautfäden gezogen?
Das hängt von Lokalisation und Heilungsverlauf ab. Als grobe Orientierung gelten etwa 5 bis 7 Tage im Gesicht und etwa 10 bis 14 Tage an Rumpf und Extremitäten; die Entscheidung trifft die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Ausbildungszwecken und ersetzt keine praktische Anleitung durch qualifiziertes Fachpersonal. Trotz sorgfältiger Recherche kann keine Gewähr für Vollständigkeit oder Aktualität übernommen werden. Die Anwendung am Patienten darf ausschließlich unter fachlicher Anleitung und Aufsicht erfolgen.
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Quellen und weiterführende Literatur
- DocCheck Flexikon: Hautnaht. flexikon.doccheck.com/de/Hautnaht
- DocCheck Flexikon: Wundnaht. flexikon.doccheck.com/de/Wundnaht
- DocCheck Flexikon: Wundheilung. flexikon.doccheck.com/de/Wundheilung